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Shockstar Fanzine mit Tony Montanas Titelstory

Pünktlich zum Release der aktuellen Single “Traitor!” von The Tony Montanas wird die Mafiabilly-Gang im jüngst erschienen Shockstar (vormals Pankerknacker) Fanzine mit einem ausführlichen Interview gewürdigt und die Titelseite der Gazette ziert das Traitor!-Artwork.
Die Kill City PR-Abteilung ist entzückt, ein Paar selbstgestrickte Socken sind zum Dank schon unterwegs in Richtung Shockstar HQ. Hier das Interview, ungekürzt und in Farbe:

Psychobilly ist nicht immer jederpunks Sache. So auch bei mir. Doch Ausnahmen bestätigen die Regel: Natürlich die Meteors, oder aber Bands wie Tiger Army heben sich hier positiv ab. Genau zu diesen Bands gehören definitiv auch die TONY MONTANAS. Das geht sogar so weit, dass auch Leute, die mit dieser Musik ansonsten wenig bis gar nichts zu tun haben bekennende Fans des Trios sind.
Wie eine Bombe schlugen sie vor sechs Jahren in der süddeutschen Szene ein. Auf ihren Konzerten tummelt sich stets ein bunt gemischtes Völkchen: Natürlich jede Menge Psychobillies, aber neben Punkrockern, Skins und Rockabilly-Fans auch überdurchschnittlich viel weibliches Publikum. Allein am überragenden Aussehen der Musiker kann das wohl kaum liegen (ich lasse mich hier aber auch gern von Kennerinnen eines Besseren belehren). Ich denke, dass ihr “Mafiabilly” einfach das gewisse Etwas hat. Seien es die verschiedenen Einflüsse aus anderen Stilrichtungen oder die wunderschönen, unglaublichen Melodien in den Songs.
Dass sich bei den MONTANAS die Einstellung zur Musik und auch vom Menschlichen her einige Punkbands, die ich kennen gelernt habe, eine Scheibe abschneiden können, kommt sicherlich hinzu. Lest selbst die Aussagen zu den verschiedenen Themen wie Zusammenhalt in der Szene, Marketing usw.
Meine Wenigkeit jedenfalls konnte es mal wieder kaum erwarten die neuen Aufnahmen schon jetzt hören zu dürfen. Im Frühsommer 2008 erscheint nämlich mit “Traitor!” die vierte Veröffentlichung der Kleinkriminellen aus dem Raum Stuttgart. Lil’ Big (Voc, Drums), Tall Tony (Bass, Voc) und Blue Eyes Montana (Git, Voc) laufen mal wieder zu absoluter Höchstform auf und die neue Scheibe verlässt seit ich sie habe kaum mehr meinen CD-Player. Aber lassen wir einen der Protagonisten selbst zu Wort kommen:

Das folgende Interview mit Tony Blue Eyes fand an einem (zunächst) milden Frühlingsabend bei mir auf der Terrasse statt. Anfangs ist es uns glaub beiden nicht gerade leicht gefallen ein Interview zu führen, das auch für Außenstehende verständlich ist. Schließlich haben wir auch schon gemeinsam Musik gemacht und kennen uns schon eine Ewigkeit. Eine Flasche italienischer Rotwein und Hippiedrogen mussten zur Hilfe genommen werden und schon lockerte sich die Atmosphäre zusehends…

Klassischer Einstieg: Erzähl mal die Bandhistory!
Ja, wir haben vor sechs Jahren angefangen, gleich die Single rausgebracht, die eigentlich echt gut eingeschlagen ist, dann haben wir recht schnell die CD auf Crazy Love Records gemacht, die auch gut angekommen ist. Wir sind europaweit gut rumgekommen Italien, Polen, Russland als meine persönlichen Tour Highlights…, waren drei Wochen mit Caravans auf Tour, was uns auch nen guten Schritt weiter gebracht hat, in der touralltäglichen Professionalität, die man so braucht. Dann haben wir die Platte noch auf Vinyl rausgebracht, mit nem Bonustrack (Anm.: Obergeile Western-Version ihres Superhits Black Pearl), dann wieder viele Konzerte gespielt und jetzt eben die Pause.

Genau. Es ist in den letzten Monaten ziemlich ruhig geworden um euch. Was war los?
Viel und gar nix. Ein paar Krankheiten, ein paar falsche Auslegungen der deutschen Rechtslage, die, ähem, nicht gestimmt haben, haha…

Inwiefern?
Egal, zu tiefgründig, einige Dinge halt, die nicht so korrekt gelaufen sind und man musste sich eben ein wenig zurückziehen, sozusagen, gezwungenermaßen. Ich möchte da eigentlich nicht näher drauf eingehen. Ja, ach so, wir haben uns dann in der Zeit drauf konzentriert, die neue Single aufzunehmen, dann kam noch kurz ne Hochzeit dazwischen, ein paar Umzüge, Jobwechsel und was es halt so gibt.

Stichwort neue Single.
Sie kommt jetzt demnächst raus, auf Kill City Records, dem Nachfolgelabel von Urban Zombie, die haben sich gesplittet, Kill City ist jetzt der neue Deal, voll gut und die Single ist im Presswerk.

Erzähl weiter.
Wir haben sie wieder im eigenen, neuen Studio aufgenommen, diesmal mit noch besserem Equipment, noch besserem Engineer, nämlich Ralfonso Amore, unser Produzent sozusagen, der ist verdammt gut geworden. Wir haben sie also zusammen produziert, die Platte hat nen verdammt dicken Sound, was soll ich noch dazu sagen?

Vielleicht was über die Songs?
Vier Songs, zwei Neue, ne Version von nem Neuen und ne Version von nem Alten. A-Seite – auf die Mütze, B-Seite – irgendwo in Mexiko, haha, aber auch auf die Mütze.

Wie kam die Zusammenarbeit mit Kill City zustande?
Erstmal von früher, diese Bagdad-Connection mit Urban Zombie und was da alles war, er hat uns immer supportet, wir haben ihn supportet (Anm.: Gemeint ist wohl Nico von Kill City Records), wie es halt so ist – Punkrock, Einer hilft dem Anderen. Uns gefallen halt auch die Prinzipien: Er bringt nur Singles in Sammelauflage mit hochwertigem Coverartwork raus. Das wäre auf nem anderen Label sicherlich anders, wenn Single Nummer zweitausendwasweißichwas von der Band XY rausgebracht wird. Das was Kill City macht ist halt ein Sammelobjekt und unsere Musik ist ja auch sammelnswert.

Du nimmst mir die Fragen aus dem Mund. Ich wollte fragen, warum die Platte nicht auf nem größeren Label herauskommt, bzw. ob in diese Richtung Überlegungen da waren oder sind.
Ja mit ner Platte wollen wir definitiv auf ein größeres Label, gar keine Frage. Ein kompletter Longplayer ist ja auch was, was sich lohnt groß promotet zu werden, um ihn über ein größeres Label international zu vermarkten. Wir waren mit der letzten Platte ja auch schon auf Crazy Love Records. Die Single soll ja auch eher ein kleiner Vorgeschmack auf das sein, was noch kommt.
Vor allem aber würde ein großes Label gar nicht so viel Geld in Artwork, Vinyldicke, das Poster, das wieder in den ersten 100 Stück drin ist, und den ganzen Krimskrams investieren. Die wollen ja auch was verdienen und so ne Platte wäre für die ein Verlustgeschäft.

Dann ziehe ich jetzt ne andere Frage vor. Du hast internationale Präsenz angesprochen. Ihr wart zwei Mal in Russland…
Drei Mal.

Wie muss man sich das vorstellen?
(Lacht) verrückt! Psychobilly halt, haha. Ich weiß nicht, wer schon davon gehört hat, wie es z. B. in Japan funktioniert – entweder 100 % oder gar nicht und so ist es in Russland auch. Also wenn Psychobilly, dann 100 % und dann ist der Flat perfekt gestellt, die Leute kucken nicht nur auf zwei Fotos von zehn verrückt, sondern auf allen zehn (lacht). Die Leute dort sind herzlich, aber “hängabliba” (Anm.: Hochdeutsch – “Hängen geblieben”). Das ist dort schon so, wie man sich Osteuropa vorstellt: viel grau, versoffene Leute, aber total herzlich… und chaotisch…

…die Organisation? Wie läuft das dort ab?
Na ja, das war nicht immer derselbe Promoter. Beim ersten Mal war es die damalige Moskauer Psychobillycrew, die es heut nicht mehr gibt, beim zweiten Mal war es der Manager von den Rattlesnakes, eine russische Rockabilly Band, und die haben dann dort auch als Vorband gespielt, auf der Tour. Jetzt am letzten Wochenende war es ganz komisch: Das war ein Festival, da haben vier Authentic Rockabilly Bands, eine Swing Band und ne Country Band gespielt. Und wir zwischen drin. Aber es war ok, die Leute da drüben kennen uns ja schon.
Man sollte nicht mit allzu großen Ansprüchen rüber fliegen… es kommt dort immer anders als geplant, aber es kommt voll gut…

Würdet ihr euch als typische Psychobilly Band bezeichnen?
Auf gar keinen Fall! Es gibt nur eine typische Psychobilly Band. (Anm.: Er meint natürlich die Meteors. Das ist ein alter Streit zwischen uns beiden, der im Prinzip darauf gründet, dass ich die Meteors an dem Abend in Stuttgart, als sie erstmals mit den Montanas zusammengespielt hatten, total langweilig fand. Somit beglückwünschte ich ihn nach dem Konzert dazu, die Meteors an die Wand gespielt zu haben. Das ist natürlich Majestätsbeleidigung und das Kompliment verpuffte und sorgte eher für schlechte Stimmung. Merke: Sage nie etwas gegen die Meteors!!!) Ich sag das mal so: Unser Vater ist Psychobilly und wir sind seine rebellischen Kinder. Wir haben keine Angst auch mal nen Punkrock Song zu spielen, ohne in diesen Knüppel-Punkabilly reinzurutschen. Wir spielen einfach Mafiabilly, das bringt die Sache auf den Punkt.

Wo kommen eure musikalischen Einflüsse her?
Wie ich schon sagte, vom Mafia – billy (lacht). Da gibt es jede Menge: Von klassischem Psychobilly, über Punkrock und Rockabilly, westernmäßigen Sound, vor allem in unseren Versions, die sind ja astreiner Western-Rockabilly. Unsere Wurzeln sind Punkrockabilly, dann wären wir wieder beim Psychobilly, haha.

Ok, auf dieses Mafia-Image wollte ich dich auch noch ansprechen. Vor dem Hintergrund der Dinge, die passiert sind… (Anm.: Ich meine damit die Vorfälle in Deutschland und Italien im letzten Jahr.)
Oh mein Gott, das ist Politik! Du kannst doch aus fast allen Ideologien und somit auch aus solchen familiären Strukturen positive und negative Dinge rausholen. Wir singen ja nicht nur darüber. Wir haben selber drei Restaurants und, und, und, tja, was soll ich sagen? Es ist halt wie es ist und…

Ist das bei euch nicht nur so ne Lifestyle-Geschichte?
Was heißt hier Lifestyle?

Naja, so die Filme halt, Mafiaromantik…
Hör mal, das ist der komplette Hintergrund, der in unserer Familie steckt. Wir sind damit aufgewachsen, ich meine… na ja, das geht jetzt wieder zu tief.

Ok, zurück zur Musik: Wer schreibt bei euch die Songs?
Hauptsächlich ich bringe die Akkorde und die grobe Struktur mit in den Proberaum und wir feilen die Songs dann gemeinsam aus. Und den Text schreibt derjenige, der grad Muse hat und gerade keinen wichtigen Auftrag hat, z. B. jemanden einzubetonieren (lacht). Und wenn doch, dann schreibt er halt nach dem Betonieren über das Betonieren (beide lachen).

Gute Überleitung zur nächsten Frage: Wie wichtig sind bei euch die Texte?
Nicht wirklich wichtig, die Musik steht im Vordergrund. Wichtig sind sie nur in dem Sinne, dass es eindeutig nicht so ne 0815-Zombie-Außerirdische-Geiletussiesvögeln Texte sind, oder was weiß ich noch was alles für ein Krampf gesungen wird. Das ist echt ausgelutscht und dann sind unsere Texte eben schon wichtig, dass wir uns von so was abgrenzen. Aber überlebenswichtig für unsere Musik sind die Lyrics nicht. Wir könnten genau so gut über Autos singen, das würde die Musik nicht schlechter machen. Andererseits kann es natürlich sein, dass jemand auch was wieder erkennt, in unseren Texten. Vielleicht hat er so was schon mal erlebt. (Anm.: wenn er dann noch leben würde…) Was ich aber keinem wünsche…

Ihr habt manchmal einen Gastmusiker?
Wir haben immer wieder einen Sänger bei unseren Aufnahmen dabei, Antonio “the Fish”, der schon auf der ersten Single zu hören war.

Auf meinem Zettel steht jetzt noch die Frage, wie bei euch ein Song entsteht, aber das hast du ja vorher schon beantwortet…
Ein Song entsteht, indem ich nen guten Song höre, mir dann fünf Jahre später eine total geile Melodie einfällt und ich total vergessen habe, dass es den Song schon gibt. Ja, und dann bring ich das mit in den Proberaum und dann kommt die Prozedur, die ich dir vorhin erklärt habe. Genau so entsteht ein guter Song und ich glaube, so ist es bei jedem Musiker. Außer vielleicht, es ist irgendein Bongo-Mongo, der total bedüdelt in der Ecke hockt und mit Bongos und Schellenkranz rummacht…

Mongo schreib ich aber nicht in nem Punkrock-Fanzine…
(Lacht) kannst du gern schreiben! Ich steh hinter jedem Wort (lachen beide, Anm.: Siehe Vorwort, langsam wirkt’s…).

Wo nimmst du die unglaublichen Melodien in euren Songs her?
Bei langsameren Songs kommt auch viel aus der italienischen Musik. Italienische Volksmusik, also eben die Melodieaufbaus, ähem -bäue? -baue? -aufbaus?

…-bauten?
…Melodieaufbauten? Ach, egal, auch die Moll – Dur Wechselspielchen findest du in dem Einen oder Anderen traditionellen italienischen Stück, aber im Grunde genommen ist es doch alles nur Punkrock!

Ihr seid eine Band aus der Stuttgarter Gegend. Wie würdest du die Szene dort einschätzen?
Langsam wächst die Szene dort tierisch – an uns vorbei. Also wir haben aufgehört zu spielen und dann ging’s los. Vielleicht sind die ganzen Leute gerade froh, dass wir weg sind und jetzt kann die Szene wachsen und gedeihen (beide lachen), aber langsam ist glaub schon ne sehr große Szene in Stuttgart und Umgebung entstanden. Wobei wir ja auch nicht die große Szeneband sind, die nur auf die Psychobilly Szene fixiert ist.

Wie geht es jetzt weiter, nach der Single?
Konzerte spielen, Konzerte spielen, Aufnehmen, Weltruhm erlangen, Flugzeug kaufen, Nutten und Koks und das Sauerstoffzelt unseres Schlagzeugers zurückkaufen von Michael Jackson. Dem hat er das verkauft vor 10 Jahren, aber jetzt braucht er’s selber wieder.

Habt ihr für Konzerte schon eine bestimmte Gegend oder ein Land im Auge?
Geplant ist eine Show in Österreich und voraussichtlich geht ’s dieses Jahr noch nach Italien und in den Ostblock.

Macht ihr das Booking selber?
Wir überlegen uns schon zu ner Booking-Agentur zu gehen, aber was die machen, können wir selber auch machen. Das ist dann die Frage von Geld abgeben oder nicht. Sollte sich eine Agentur für uns interessieren, kann sie sich gerne mal melden.

Wer macht das verrückte Artwork?
Der nennt sich “Bastard of the Universe“, wir nennen ihn “Smallnuts Montana”. Das Artwork gehört natürlich auch dazu und wir wollen das beibehalten…

…also auch auf der neuen Single?
Ja klar, das hat auch wieder er gemacht.

Was gibt’s noch zu sagen?
Wir haben wie gesagt ein paar Restaurants in der Familie, nen halben Friseursalon und die eingeschwägerten Eisdielen mal nicht mitgezählt. Somit haben wir ein gutes Rückrad um gut durchzustarten!

Ihr wollt richtig durchstarten?
Was heißt da richtig durchstarten? Das bedeutet für mich auch, jedes Wochenende in nem anderen Juze vor 20 Leuten zu spielen. Hauptsache spielen und dem Publikum Freude bereiten! Ich will damit sagen, dass Durchstarten nicht bedeuten muss, dass wir zu “Top of the Pops” gehen…

Dass ihr davon leben könnt?
Also lieber mach ich unabhängig das, was ich machen will, in meinem eigenen Studio, mit nem kleineren Label, das mir nicht vorschreibt, wie ich auszusehen habe.

Könntet ihr euch vorstellen von der Musik, ich sag jetzt mit Absicht, leben zu MÜSSEN?
Ich weiß nicht, ob das möglich ist, ich könnte mir das schon vorstellen. Aber ganz realistisch gesehen, schau dir Bands an wie die Peacocks, die spielen wir die Irren, immer und überall und leben nicht wie Gott in Frankreich. Ich glaub, es gibt in diesem Bereich wenige Bands, die davon leben können.

Du könntest von deinen musikalischen Fähigkeiten sicher auch in anderen Bands spielen, dann würde es gehen.
Aber darum geht’s ja nicht. Wer will schon Tanzmusik oder so was machen? Ich meine, Tall Tony ist ja hauptberuflich Musiker und lebt davon. Aber nur mit einer Band halte ich es für fraglich.

Gibt es da nicht manchmal terminliche Überschneidungen zwischen dem Johnny Trouble Trio (Anm.: Andere Band von Tall Tony) und euch?
Doch gibt’s schon, aber da muss man dann halt kucken, wie man die Termine dann legt. Ich meine, wir sind ja nicht die einzige Band, in der Mitglieder noch in anderen Bands spielen. Das ist ja bei über 50 % der Bands so.

So, jetzt reicht’s: Letzte Worte?
Macht euch auf was gefasst, die Montanas sind wieder am Start, wenn große Labels uns ganz viel Geld schenken wollen, bitteschön, ihr seid herzlich willkommen!

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